Medieninformation Donnerstag, 05.02.2026, 11:00 Pflegeverläufe in Vorarlberg Daten, Entwicklungen und Handlungsfelder

Mit dem vorliegenden Statistikbericht „Betreuung und Pflege im Alter 2024“ legt das Land Vorarlberg eine umfassende und differenzierte Auswertung zur Betreuung und Pflege älterer Menschen vor. Im Mittelpunkt stehen erstmals nicht nur einzelne Angebotsformen, sondern die Pflegeverläufe über mehrere Jahre hinweg. Damit wird sichtbar, wie sich Unterstützungsbedarfe entwickeln, wie Menschen durch das System begleitet werden und welche Rolle das Zusammenspiel unterschiedlicher Angebote spielt. Vorarlberg nimmt mit dieser fachlichen Neuerung eine Vorreiterrolle ein, betont Landesrätin Martina Rüscher: „In dieser Form ist eine systematische Auswertung von Pflegeverläufen bislang in keinem anderen österreichischen Bundesland bekannt. Wir erweitern die Pflegestatistik um eine zentrale Perspektive auf das tatsächliche Zusammenspiel der Angebote im Zeitverlauf.“ Rüscher unterstreicht die Bedeutung dieser Pflegeverlaufsstatistik: „Pflege ist heute kein einzelnes Ereignis, sondern ein längerer Weg mit unterschiedlichen Stationen. Genau deshalb brauchen wir ein gut abgestimmtes Pflegesystem, das Menschen verlässlich begleitet und Übergänge gut organisiert.“

Die Statistik liefert eine fundierte Grundlage, um Entwicklungen im Pflegebereich besser zu verstehen, Strukturen gezielt weiterzuentwickeln und politische Entscheidungen evidenzbasiert zu treffen. Sie ist ein zentrales Arbeitsinstrument für alle Settings der Betreuung und Pflege – von der mobilen Versorgung über teilstationäre Angebote bis hin zur stationären Pflege – und wird allen relevanten Akteurinnen und Akteuren zugänglich gemacht. Gerade in einer Phase, in der Systeme weiterentwickelt und Schnittstellen geschärft werden, ist diese gemeinsame Datengrundlage von besonderem Wert.

Betreuung und Pflege im Alter: Steigender Bedarf, veränderte Anforderungen

Seit 2022 steigt die Zahl der im Vorarlberger Pflegenetz betreuten Personen jährlich um durchschnittlich rund 2,5 Prozent. Im Jahr 2024 wurden knapp 16.000 Menschen begleitet. Gut zwei Drittel der betreuten Personen waren Frauen. Beinahe ein Drittel aller Vorarlbergerinnen und Vorarlberger über 75 Jahre nahm mindestens einen Pflege- und Betreuungsdienst in Anspruch.  

Diese Entwicklung ist Ausdruck des demografischen Wandels, aber auch einer zunehmenden Komplexität von Unterstützungsbedarfen. Pflege betrifft heute immer häufiger Menschen mit Mehrfacherkrankungen, kognitiven Einschränkungen oder einem hohen Bedarf an Koordination zwischen unterschiedlichen Angeboten.

Grafik 1 (Die Grafiken finden Sie am Ende der Aussendung unter den Pressefotos)

„Hinter jeder Zahl steht ein Mensch mit einer eigenen Geschichte, mit Bedürfnissen, Sorgen und oft auch mit Angehörigen, die mittragen. Diese Statistik hilft uns, Pflege nicht abstrakt zu betrachten, sondern als das, was sie ist: ein zentraler Teil des sozialen Zusammenhalts in Vorarlberg“, so Landesrätin Rüscher. Die Statistik zeigt deutlich: Pflege ist kein punktuelles Ereignis, sondern ein dynamischer Prozess, der sich über Jahre erstrecken kann.

Pflegeverläufe statt Einzelzahlen: Ein neuer Blick auf Versorgung

Ein zentraler Mehrwert der vorliegenden Statistik liegt in der Analyse von Pflegeverläufen. Diese machen sichtbar, dass Pflege in den seltensten Fällen linear verläuft. Viele Menschen wechseln im Laufe der Zeit zwischen verschiedenen Unterstützungsformen – etwa von mobilen Diensten zur Tagesbetreuung oder temporär in stationäre Angebote und wieder zurück.

Mehr als die Hälfte der betreuten Personen nutzte im Jahr 2024 einen einzigen Pflege- und Betreuungsdienst, ein weiteres Viertel griff auf zwei unterschiedliche Angebote zurück. Ein nicht unerheblicher Anteil war im Laufe der Zeit in drei oder mehr Versorgungsformen eingebunden.

Grafik 2 (Die Grafiken finden Sie am Ende der Aussendung unter den Pressefotos)

Besonders deutlich wird dabei die Vielfalt individueller Pflegeverläufe: Von jenen Personen in der Dauerpflege, bei denen frühere Betreuungsformen bekannt sind, haben rund 40 Prozent zuvor nur einen Pflege- und Bereuungsdienst in Anspruch genommen, knapp ein Viertel nutzte zwei und beinahe ein Fünftel drei unterschiedliche Betreuungsformen. In 46 Prozent der Fälle war der zuletzt genutzte Dienst eine Kurzzeitpflege in einem Pflegeheim, bei rund einem Fünftel die Hauskrankenpflege.

Grafik 3 (Die Grafiken finden Sie am Ende der Aussendung unter den Pressefotos)

Die orange Säule am rechten Rand (24h_Ziel) symbolisiert jene 2.460 Personen, die sich im Jahr 2024 in der 24-Stunden-Betreuung befanden und somit die Zielkohorte bilden. Von allen einströmenden Verlaufswegen dieser Personen, werden nur die häufigsten dargestellt. Sie zeigen die Reihenfolge der Systeme, die Betreute nutzten, bis sie sich spätesten im Jahr 2024 in der 24-Stunden-Betreuung befanden.

Beispielsweise begannen 10 Prozent zunächst mit der Hauskrankenpflege und kamen in einem zweiten Schritt in die 24-Stunden-Betreuung (HKP1 -> 24h_Ziel). Knapp 8 Prozent starteten ebenfalls mit der Hauskrankenpflege, hatten später Kontakt mit dem Case Management und gelangten danach in die 24-Stunden-Betreuungn (HKP1 -> CM2 -> 24h_Ziel). Beinahe 4 Prozent stiegen hingegen direkt in die 24-Stunden-Betreuung ein (24h_1 -> 24h_Ziel)

Diese Zahlen verdeutlichen, wie wichtig ein gut abgestimmtes, abgestuftes Pflegesystem ist. „Pflegeverläufe zeigen sehr klar, dass es nicht um einzelne Angebote geht, sondern um das Zusammenspiel unterschiedlicher Unterstützungsformen über längere Zeit“, hält Landesrätin Rüscher fest.

Ambulante Angebote als tragende Säule

Die Auswertungen bestätigen die große Bedeutung der mobilen und ambulanten Dienste. Die Hauskrankenpflege begleitete im Jahr 2024 über 9.200 Personen, die Mobilen Hilfsdienste rund 5.400 Menschen. Darüber hinaus lebten fast 2.500 Personen zuhause mit Unterstützung einer 24-Stunden-Betreuung.

Diese Angebote ermöglichen es vielen Menschen, möglichst lange selbstbestimmt im eigenen Zuhause zu bleiben. Gleichzeitig zeigt die Statistik, dass ambulante und stationäre Angebote nicht als Gegensätze zu verstehen sind, sondern als aufeinander abgestimmte Bausteine eines funktionierenden Pflegesystems. „Mobile und stationäre Angebote erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Entscheidend ist, dass sie gut aufeinander abgestimmt sind und sich am jeweiligen Bedarf der Menschen orientieren“, betont Landesrätin Rüscher.

Grafik 4 (Die Grafiken finden Sie am Ende der Aussendung unter den Pressefotos)

Stationäre Pflege als Teil längerer Unterstützungsprozesse

Im Jahr 2024 wurden rund 3.300 Personen in Kurz- oder Langzeitpflege in Pflegeheimen betreut. Der erstmalige Eintritt in die Dauerpflege erfolgt meist in hohem Alter – bei Männern im Median mit rund 81 Jahren, bei Frauen mit knapp 86 Jahren.

Seit 2010 traten im Schnitt 735 Personen pro Jahr erstmals in die Langzeitpflege eines Pflegeheims ein, im Jahr 2024 waren es 802 Menschen. Die Statistik zeigt zudem, dass bei einem großen Teil der Personen, die in ein Pflegeheim eintreten, bereits zuvor Unterstützungsleistungen in Anspruch genommen wurden. Besonders häufig gingen Kurzzeitpflege, Hauskrankenpflege oder andere mobile Dienste voraus. Damit wird deutlich, dass stationäre Pflege häufig nicht der erste, sondern ein späterer Schritt im Pflegeverlauf ist.

Übergänge gezielt gestalten, Brüche vermeiden

Die Analyse der Pflegeverläufe liefert wertvolle Hinweise darauf, wo Übergänge gut funktionieren und wo Verbesserungsbedarf besteht. Reibungslose Übergänge zwischen Versorgungsformen sind entscheidend, um Belastungen für Betroffene und Angehörige zu reduzieren und die Qualität der Versorgung zu sichern.

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von frühzeitiger Unterstützung, klaren Zuständigkeiten, gut koordinierter Fallsteuerung und einer engen Zusammenarbeit zwischen den Systempartnern. „Frühzeitige Unterstützung und gut gestaltete Übergänge sind zentrale Qualitätsfaktoren in der Pflege. Genau hier setzen wir mit der Weiterentwicklung unserer Strukturen an“, erklärt Landesrätin Rüscher.

Strategische Einordnung und Ausblick

Die Statistik „Betreuung und Pflege im Alter 2024“ ist eingebettet in die langfristige Weiterentwicklung des Pflege- und Sozialsystems in Vorarlberg. Sie ergänzt bestehende strategische Grundlagen wie die Sozialfondsstrategie 2030 und liefert eine belastbare Datenbasis für künftige Entscheidungen.

Die Pflegeverlaufsstatistik wird künftig in regelmäßigen periodischen Abständen erhoben. Die rein statistischen Basisdaten zur Betreuung und Pflege im Alter werden weiterhin jährlich ausgewiesen. Dadurch entsteht eine Kombination aus kontinuierlichem Monitoring und vertiefender Analyse von Entwicklungen über längere Zeiträume hinweg.

Vor dem Hintergrund steigender Bedarfe und begrenzter Ressourcen wird es entscheidend sein, bestehende Angebote wirksam weiterzuentwickeln, Übergänge zu stärken und Unterstützungsleistungen dort einzusetzen, wo sie den größten Nutzen entfalten. Die vorliegenden Ergebnisse unterstreichen dabei insbesondere die Notwendigkeit einer guten Abstimmung zwischen den Systemen, einer gemeinsamen fachlichen Orientierung und gut funktionierender Kooperationsstrukturen.

Für die Fachabteilungen bedeutet dies, Pflege noch stärker als zusammenhängenden Prozess zu denken, Übergänge aktiv zu gestalten und Entwicklungen systematisch zu begleiten. Die Pflegeverlaufsstatistik bildet dafür eine zentrale fachliche Grundlage.

Hinter jeder Zahl steht ein Mensch mit einer individuellen Lebensgeschichte, einem persönlichen Unterstützungsbedarf und oft einem komplexen Zusammenspiel aus familiärer Hilfe, professioneller Betreuung und medizinischer Versorgung. Die vorliegende Statistik trägt dazu bei, diese Realität sichtbar zu machen.

Das Land Vorarlberg setzt weiterhin auf Transparenz, evidenzbasierte Steuerung und eine enge Zusammenarbeit mit Gemeinden, Trägerorganisationen und Fachkräften. Ziel ist es, Betreuung und Pflege im Alter auch künftig verlässlich, qualitativ hochwertig und zukunftsorientiert zu gestalten.

Redaktion
Gerhard Wirth

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