Medieninformation Dienstag, 10.03.2026, 17:11 Kompetenzmessung iKM+ zeigt Herausforderungen für Vorarlberger Volksschulen Ergebnisse sind Arbeitsauftrag an Bund – soziale Ausgangslagen müssen in der Steuerung treffsicherer berücksichtigt werden

Bregenz (VLK) – Die individuelle Kompetenzmessung PLUS (iKM+) ist ein bundesweites Instrument zur Erhebung grundlegender Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern in Österreich, um daraus Impulse für die Unterrichts- und Schulentwicklung abzuleiten. Sie wurde ab dem Schuljahr 2021/22 eingeführt und ersetzt die früheren Bildungsstandardüberprüfungen. Heute (10. März 2026) hat das Bildungsministerium erstmals Ergebnisse für die Bereiche Deutsch und Mathematik in der Primarstufe (1. Zyklus, 2023-2025, 4. Schulstufe) veröffentlicht.

Ergebnisse: 
o    Mathematik 485
o    Deutsch (Lesen) 490
o    Deutsch (Zuhören) 493
o    Deutsch (Verfassen von Texten) 496

Bundesländervergleich: 
Vorarlberg liegt in fast allen Bereichen unter den anderen Ländern; über Wien in allen drei Deutsch-Bereichen; in Mathematik kein praktischer Unterschied zu Wien. In Textproduktion kein signifikanter Unterschied zu Kärnten, NÖ, OÖ, Steiermark. 

Bevölkerungsadjustierte Erwartungswerte (faire Vergleichsbasis nach Vorarlbergs Bevölkerungsstruktur): 
Beobachtete Werte vs. Erwartungswerte: 
o    Mathematik 485 vs. 491
o    Deutsch (Lesen) 490 vs. 493
o    Deutsch (Zuhören) 493 vs. 495
o    Deutsch (Verfassen von Texten) 496 vs. 504

Sozioökonomische Ausgangslage (SÖL – Bildungsstand der Eltern, ökonomischer und sozialer Hintergrund, Migration und Sprache): 
In Vorarlberg sind deutlich weniger Schülerinnen und Schüler an Schulen mit günstiger Ausgangslage (SÖL-Kategorie 4-6), sehr wenige in SÖL 1, dafür rund die Hälfte an Schulen der SÖL 3 (mehr als doppelt so viel wie im Schnitt der anderen Länder). Die Zusammensetzung der Schülerschaft unterscheidet sich damit deutlich von der aller anderen Bundesländer. 

Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink betont: „Diese Ergebnisse sind nicht zufriedenstellend. Sie sind ein klarer Arbeitsauftrag. Unser Anspruch muss sein, die Grundkompetenzen der Kinder konsequent zu stärken – vor allem in Sprache, Lesen und Mathematik. Gerade Schulen mit größeren sozialen und sprachlichen Herausforderungen brauchen dafür wirksame Unterstützung und passende Rahmenbedingungen."

Die vorliegenden Daten bestätigen zentrale Befunde, die sich auch im Vorarlberger Bildungsmonitoring bereits abgezeichnet haben. Mit dem Bildungsmonitoring verfügt Vorarlberg als erstes Bundesland über ein eigenes datengestütztes Steuerungsinstrument. Daten ersetzen keine Bildungspolitik, aber sie machen sie treffsicherer. Für Schöbi-Fink ist klar: „Wir brauchen eine konsequente Ausrichtung auf jene Kompetenzen, die für den gesamten weiteren Bildungsweg entscheidend sind. Sprach- und Leseförderung sind dabei eine Schlüsselfrage, weil sie die Grundlage für erfolgreiches Lernen in allen Fächern bilden.“

Schöbi-Fink verweist zugleich auf die klare Zuständigkeitslage: „Man muss die Verantwortlichkeiten sauber trennen. Das Land kann Entwicklungen sichtbar machen, gezielt Impulse setzen und gemeinsam mit der Bildungsdirektion an Verbesserungen arbeiten. Aber die zentralen systemischen Hebel liegen beim Bund – etwa bei der Lehrerausbildung, bei der Attraktivität des Lehrberufs und bei wesentlichen schulrechtlichen Rahmenbedingungen.“

Für die Landesrätin ist daher klar, dass das Ministerium aus solchen Ergebnissen Konsequenzen auch für Vorarlberg ziehen muss: „Wer bessere Ergebnisse will, muss auch die Voraussetzungen dafür schaffen. Es reicht nicht, Probleme zu benennen. Der Bund ist gefordert, dort nachzubessern, wo Schulen und Bildungsdirektionen seit Jahren auf Grenzen stoßen – etwa bei der personellen Ausstattung, bei praxistauglichen Modellen der Sprachförderung und bei Rahmenbedingungen, die Schulen mehr Handlungsspielraum statt zusätzlicher Starrheit geben.“

Für Bildungsdirektor Heiko Richter und die Pädagogische Leiterin der Bildungsdirektion, Monika Steurer, ist klar, dass die Ergebnisse genau analysiert werden müssen: „Kompetenzmessungen liefern wichtige Hinweise für die Weiterentwicklung von Schule und Unterricht. Wir nehmen die vorliegenden Ergebnisse sehr ernst und werden im offenen Austausch mit den Schulen und pädagogischen Partnern weitere Maßnahmen setzen. Die Bildungsdirektion wird die Schulen beim Umgang mit den Daten aktiv unterstützen.“ Auch an der Bewusstseinsbildung müsse weiterhin gearbeitet – durch die Aus- und Fortbildung an der PH Vorarlberg, die konsequente Thematisierung bei Leitertagungen und pädagogischen Tagen an Schulen, Einzelgespräche mit Schulen mit unterdurchschnittlichen Ergebnissen sowie die Sammlung von „good practice“-Erfahrungen. 

Ein besonderer Schwerpunkt wird weiterhin auf der Stärkung der Lesekompetenz liegen. Initiativen wie das Bildungsnetzwerk Lesen sowie Programme zur Förderung des Lesens – etwa durch Lesepatinnen und Lesepaten – sollen weiter ausgebaut werden. Ziel bleibt es, dadurch allen Schülerinnen und Schülern bestmögliche Voraussetzungen für ihren Bildungsweg zu bieten und sie gezielt bei der Entwicklung grundlegender Kompetenzen zu unterstützen.

Redaktion
Martina Hämmerle

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