„Der Vorarlberger Weg“
Sehr geehrte Frau Präsidentin, Hoher Landtag!
Die Politik des Landes soll nach den bewährten Grundsätzen
und Werten weiterentwickelt werden. Der Blick richtet sich nicht
nur auf das Materielle – Wirtschaft und Leistung, sondern auch auf
andere Bereiche. Vorarlberg soll weiterhin eine wirtschaftlich
starke Region mit menschlichem Gesicht bleiben. Die Familie und das
Ehrenamt werden stark gefördert. Das Gemeinsame unserer
Gesellschaft wird durch das Projekt „Kinder in die Mitte –
Miteinander der Generationen“ betont. Nicht das Spalten der
Gesellschaft, sondern das Suchen nach gemeinsamen Lösungen ist
unser Weg.
Die Integration erfordert klare Vorgaben und verstärkte
Koordination.
Wir werden uns in der regionalen Wirtschaftspolitik neben
Impulsen für den Mittelstand und Abfederung der Wirkungen auf den
Arbeitsmarkt stark auf die Chancen beim Start nach der kritischen
Situation durch Ausbildung, Forschungs- und Innovationsförderung
konzentrieren mit dem Ziel der Vollbeschäftigung durch Wachstum.
Das finanzielle Gleichgewicht nach Überwindung der
wirtschaftlichen Schwierigkeiten wird nicht aus den Augen verloren.
Wir wollen die Vorreiterrolle Vorarlbergs weiter ausbauen.
Als Modellregion Gesundheit und mit der „Vorarlberger Mittelschule“
wollen wir im Echtbetrieb zeigen, dass wir neue Wege finden. Die
guten Erfahrungen mit Bürgerbeteiligungsprozessen („Bürger-Räte“,
Bürgergutachten) wollen wir weiter ausbauen. Das Zukunftsbüro wird
sich im nächsten Jahr mit dem Thema „krisenfeste Gesellschaft“
befassen. Wie kann die gesellschaftliche Widerstandskraft gegen
Krisen gestärkt werden.
Das Ziel der Energieautonomie wird unsere Unabhängigkeit
stärken und ein guter Beitrag für den Klimaschutz sein.
Familie ist das Fundament für die Zukunft
Familien sind nach wie vor der größte Dienstleister der
Gesellschaft bei Kinderbetreuung und Altenpflege und anderen
unverzichtbaren Diensten. Die Selbstorganisation der Gesellschaft
in Familie und Ehrenamt steht bei uns an erster Stelle und wird
gestützt und gefördert. Wir betonen ausdrücklich unsere
Wertschätzung für die Familie, vor allem in jenen Fällen, wo sie
selbst in der Lage und Willens ist, Kinder- oder Altenbetreuung zu
organisieren. Aus diesem Grund wird der Familienzuschuss ab
1.1.2010 erneut deutlich verbessert.
Zur besseren Vereinbarung von Familie und Beruf erfolgt
gemeinsam mit den Gemeinden der Ausbau von
Betreuungsreinrichtungen. Der dafür notwendige Bedarf wird nicht
durch staatliche Vorgaben, sondern einzig und allein von den Eltern
definiert. Diesen Bedarf wollen wir voll erfüllen.
Familien in schwierigen Situationen werden überdies durch
einen weiteren Ausbau der Familienhilfe aber auch durch zusätzliche
Bildungsangebote direkt begleitet und unterstützt.
Bei der Weiterentwicklung des Projektes „Kinder in die Mitte
– Miteinander der Generationen“ geht es darum, den Kindern und
ihren Bedürfnissen Aufmerksamkeit zu schenken, Familien zu
unterstützen, ein kinder- und familienfreundliches Klima in den
Gemeinden zu schaffen und das Miteinander der Generationen zu
pflegen. Vor allem aber Lösungen (wie am Beispiel von
Freiraumschaffung durch Umsetzung der Kinderspielplatzverordnung)
jeweils aus der Sicht des Kindes zu entwickeln.
Miteinander der Generationen
Wir wollen die Bemühungen für ein Miteinander mit der älteren
Generation verstärken. Der Zusammenhalt und das gegenseitige
Verständnis zwischen Jung und Alt soll noch besser werden. Nicht
das gegenseitige Ausspielen der Generationen, sondern das Ringen
nach „Generationen-übergreifenden“ Lösungen steht im Mittelpunkt.
Dazu sind auch in den Gemeinden bereits Fortschritte zu
sehen. Seniorenbörsen in Hard, Frastanz, Lauterach oder jüngst
Wolfurt, „Zämma leaba z`Götzis“, Generationenlernen in Höchst oder
das Ehrenamt-Wettbewerb-Projekt „Verein Wohnen für Jung und Alt“
sind Beispiele für sehr erfolgreiche Projekte in den Gemeinden.
Diesen Prozess wollen wir systematisch fördern und entwickeln.
Jugend ernst nehmen
Es ist unsere Aufgabe, unseren jungen Menschen Chancen zu
bieten: Bildungsmöglichkeiten für alle, Arbeits- bzw.
Ausbildungsplätze, ein intaktes leistbares Gesundheits- und
Sozialsystem, eine gesunde Natur und Umwelt, ein krisenfestes
Beziehungsumfeld.
Wir laden die Jugend ein, sich aktiv und kreativ in die
Weiterentwicklung unseres Landes einzubringen. Wir versprechen
unsererseits, die Ideen und Anregungen unserer Jugend ernst zu
nehmen und gebührenden Raum zu geben. Schwerpunkte sind die
Förderung und Unterstützung von Jugendbeteiligung speziell durch
Forcierung von weiteren Beteiligungsmodellen (zB „FrageRaum
Politik“ oder das Pilotprojekt „Jugend und Politik“). Auch die
Weiterentwicklung der verbandlichen und offenen Jugendarbeit wird
weiter offensiv in verschiedensten Formen unterstützt.
Kindergarten und Schule
Unser Weg ist die konsequente Umsetzung des Vorarlberger
Kindergarten- und Schulkonzeptes. Verbindliche Lern- und
Förderpläne an allen Schulen sollen die private Nachhilfe zurück
drängen. Ein Maßnahmenpaket für die schulische Sozialarbeit wird
umgesetzt. Die Elternmitwirkung und Elternverantwortung wird
ausgebaut; die Landeselternverbände werden beim Ausbau ihrer
Servicestelle unterstützt. Die Lehreraus- und -fortbildung
berücksichtigt verstärkt die Anliegen der Vorarlberger Schulen und
geht neue Wege: Beispielsweise mit der begleiteten
Berufseinstiegsphase für neue Lehrerinnen und Lehrer und dem
Lehrgang zur Stärkung der Schulleitungen.
Mit dem neuen Kindergartenpaket sind im Einvernehmen mit den
Gemeinden gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Bildungsweg
geschaffen: Kleinere Gruppen, zusätzliche Sprachförderung, Aufnahme
der Dreijährigen, Elternbedarfserhebung, moderner Bildungsplan und
höhere Gemeindeförderungen.
Sprachstandsfeststellung bzw Sprachförderung mit
verbindlicher Einbindung der Eltern sind Voraussetzungen für die
Schulreife. Beim Schuleintritt müssen die Kinder dem Unterricht gut
folgen können.
Der Übergang in die Volksschule und eine kindgerechte
Neugestaltung der ersten Volksschuljahre als Fundamente für jeden
weiteren Bildungsweg sind besondere Schwerpunkte.
Die fast flächendeckende Vorarlberger Mittelschule ist ein
Entwicklungsprozess mit neuen Schwerpunkten. 75% der 10-jährigen
besuchen diese neue Schulform. Vermehrt unterrichten auch
AHS-Pädagoginnen und Pädagogen in den Vorarlberger Mittelschulen.
Bei der Berufsorientierung wollen wir mit Potentialanalysen,
persönlichem Coaching und besonderer Förderung rund um den
Pflichtschulabschluss möglichst viele Jugendliche erfassen und
Vermittlung anbieten.
In der dualen Ausbildung nimmt Vorarlberg eine
Spitzenposition ein. Vorarlberg hat die höchste Lehrlingsquote
Österreichs. Ca 15 Millionen Euro jährlich werden vom Land in die
Vorarlberger Berufsschulen investiert. Darüber hinaus stehen in den
nächsten Jahren große Investitionen in den Berufsschulen Bludenz,
Feldkirch und Schloss Hofen an. Das überbetriebliche
Ausbildungszentrum Vorarlberg „ÜAZ“ wird als Ergänzung zur
betrieblichen Lehrlingsausbildung bedarfsbedingt unterstützt. Das
Vorarlberger Lehrlingsmodell ermöglicht außerdem die Vorbereitung
auf den Maturaabschluss unmittelbar nach der Lehre.
Wir appellieren eindringlich an den Bund, die für die
Erhaltung und Neuschaffung von betrieblichen Lehrplätzen
vorgesehenen Mittel ergebniswirksamer einzusetzen und insbesondere
die in Vorarlberg vorliegenden Konzepte eines auch in der Praxis
erprobten und bestätigten Wegs aufzugreifen und bundesweit rasch
umzusetzen.
Wissenschaft und Weiterbildung
Wissenschaft und Forschung sind Grundlagen für eine
erfolgreiche gesellschaftliche und wirtschaftliche
Weiterentwicklung unseres Landes. Sie sind Schlüsselbereiche zur
Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes
Vorarlberg und damit für den Erhalt von sozialer Sicherheit und
Wohlstand.
Mit den Studiengängen der Fachhochschule Vorarlberg können
junge Menschen eine gute Berufsausbildung in enger Verzahnung von
Lehre und anwendungsorientierter Forschung erwerben. Ebenso wichtig
ist es, dass Erwachsene und Berufstätige die Möglichkeit haben,
sich im Rahmen berufsbegleitender Studien und Lehrgänge von
Fachhochschule und dem Zentrum für Wissenschaft und Weiterbildung
Schloss Hofen weiterzuqualifizieren. Es wird daher eine wichtige
Aufgabe der kommenden Jahre sein, das Aus- und
Weiterbildungsangebot sowie die wissenschaftliche und
anwendungsorientierte Forschung dem Bedarf entsprechend weiter
auszubauen.
Um sich von der Konkurrenz im internationalen Wettbewerb
abheben zu können sind innovative Produkte gefragt. Daher kommt der
Innovationsförderung eine zentrale Rolle in der Wirtschaftspolitik
zu. In den nächsten Jahren werden wir den Ausbau überbetrieblicher
Forschungseinrichtungen aber auch die Förderung betrieblicher
Forschungs- und Entwicklungsprojekte konsequent fortsetzen. Vor
allem werden wir uns bemühen, die im Bereich der Umwelttechnologien
liegenden Marktchancen verstärkt zu nützen.
Wir sind davon überzeugt, mit diesen Schwerpunkten in der
Wirtschaftspolitik den Wirtschaftsstandort Vorarlberg so zu
positionieren, wie er von unseren Wettbewerbern wahrgenommen wird:
dynamisch – innovativ – lebenswert.
Meine Damen und Herren, wir rüsten uns für den Neustart nach
der wirtschaftlich schwierigen Zeit mit gezielten Anstrengungen und
ich wiederhole mich gerne, wenn ich sage, dass ich froh bin, dass
wir in diesem Land Sozialpartner haben, die gemeinsam an diesen
Programmen mitarbeiten und sie auch mittragen.
Impulse für Arbeit und Wirtschaft
Arbeit für alle setzt eine dynamische mittelständische
Wirtschaft voraus, die wächst.
Der Ende des Jahres 2008 weltweit einsetzende massive
Konjunktureinbruch ist auch in unserem Land nicht spurlos vorüber
gegangen. Wir werden in diesem Jahr zwar einen deutlichen Rückgang
des Bruttoregionalprodukts in Kauf nehmen müssen, die Talsohle
scheint aber erreicht. Mit einem umfangreichen Konjunktur- und
Entlastungspaket haben wir auf die Entwicklung rasch reagiert. Der
Erfolg der Maßnahmen trägt dazu bei, dass wir eine optimale
Ausgangssituation für den kommenden Aufschwung schaffen.
Besonders deutlich wird die wirtschaftliche Entwicklung durch
die starke Zunahme der Arbeitslosigkeit. Gemeinsam mit den
Sozialpartnern steuern wir dieser Entwicklung massiv entgegen.
Unser besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Förderung unserer
Zukunft: den Jugendlichen. Es ist erfreulich, dass die von Land und
AMS ausgesprochene Job- bzw. Ausbildungsgarantie erfolgreich
umgesetzt wird. Voraussetzung dafür ist ein flächendeckendes
Angebot an Beschäftigungsprojekten und Qualifizierungsmöglichkeiten
für Jugendliche und Langzeitarbeitslose, insbesondere im Bereich
der Ausbildung von Lehrlingen. Diesen Weg werden wir konsequent
weitergehen. Dafür sind wir auch bereit, erhebliche Mittel in die
Hand zu nehmen. Zumindest im nächsten Jahr wird das sogar noch mehr
Anstrengung als heuer notwendig machen.
Tourismus bietet hohe Entwicklungschancen
Die Tourismuswirtschaft zählt zu den Wirtschaftsbereichen mit
überdurchschnittlich hohen Entwicklungschancen. Unser Tourismus
schafft damit nicht nur Arbeitsplätze, sondern sorgt vor allem in
ländlichen Gebieten für wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten.
Wir werden auch in Zukunft voll auf den Qualitätstourismus
setzen, der die Umwelt schont, Dörfer authentisch bleiben lässt und
zu den sozialen Strukturen des Landes passt. Es gilt diese
Entwicklung durch günstige Rahmenbedingungen zu unterstützen. Das
tun wir im Wege der Entwicklung innovativer Produkt- und
Dienstleistungsangebote, durch die Erschließung neuer Märkte sowie
durch die Förderung von Investitionen zur Qualitätsverbesserung.
Wohnen ist Heimat
Wohnen ist weit mehr als ein Grundbedürfnis. Wohnen ist
Heimat und beeinflusst unsere Lebensqualität. Mit dem Instrument
der Wohnbauförderung liefern wir die Voraussetzungen dafür. Die
Sanierungsoffensive des Landes hat sich als richtig und überaus
wirksam erwiesen. 2009 wurden bisher mehr als doppelt so viele
Zusicherungen für Sanierungen von Häusern und Wohnungen gegeben als
im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Auch die im kommenden Jahr
2010 zugesicherten Darlehen für Sanierungen werden für die gesamte
Laufzeit zinsfrei gestellt. Damit leisten wir nicht nur einen
sinnvollen Beitrag zum Klimaschutz, sondern liefern auch wertvolle
Impulse für die Wertschöpfung im Land. Schließlich ist dies auch
ein Beitrag auf unserem Weg in die Energieautonomie.
Die neuen, deutlich verbesserten Richtlinien der
Wohnbauförderung und der Wohnbeihilfe haben sich bewährt. Die
starke Zunahme der Anträge im Bereich der Wohnbeihilfe beweist,
dass wir gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten unserer
sozialen Verantwortung gerecht werden. Auch hier rechnen wir im
nächsten Jahr mit starkem Bedarf.
Raumplanung
Vorarlberg hat besonders im Rheintal und im Walgau nur
begrenzt frei zur Verfügung stehende bebaubare Flächen. Die sehr
dynamische Bevölkerungsentwicklung und die wirtschaftliche
Entwicklung haben in den letzten Jahrzehnten zu einer zusätzlichen
Verknappung geführt. Die Raumplanung muss daher die berechtigten
Bedürfnisse der Bevölkerung, des Naturschutzes, der Landwirtschaft
und der Wirtschaft so gegeneinander abwägen, dass den nachkommenden
Generationen durch sparsamen Umgang mit Grund und Boden ein
Gestaltungsspielraum bleibt.
Ein großes Anliegen bleibt die Schonung des Privateigentums.
Mit einem neuen Raumplanungsgesetz werden wir den Schutz des
Eigentums noch stärker verankern: Die Regeln für Entschädigungen
werden klar geregelt, die Einbindung der Grundeigentümer bei
Umwidmungen bzw. Änderungen von Bebauungsplänen soll gestärkt
werden, mit der Einführung der Vertragsraumordnung werden neue Wege
beschritten.
Der 2004 gestartete Prozess Vision Rheintal zeigt uns die
Richtung, in die unsere Raumplanungspolitik in Zukunft geht. Mit
der Regionalplanung Walgau und der Raumentwicklung Montafon wurden
Prozesse mit ähnlicher Ausrichtung erfolgreich gestartet, die in
den nächsten Jahren intensiv weiterbetrieben werden.
Mobil im Ländle: Erfolgsformel 3/2/1
Unsere Ziele sind ambitioniert: Verkehrsvermeidung und
-verlagerung sollen besonders im werktäglichen Personenverkehr zu
einer deutlichen Entlastung führen. Aufgabe der Verkehrspolitik ist
es, die Mobilitätsbedürfnisse der Bevölkerung und der Wirtschaft
unseres Landes zu sichern. Unser Leitsatz lautet: So viel
motorisierter Individualverkehr wie nötig, so viel Öffentlicher
Verkehr sowie sanfte Mobilität wie möglich.
Den Anteil der PKW-Lenker wollen wir auf Basis der Formel
3/2/1 bis 2015 um 6 % senken. Hierfür soll der Radverkehr um 3 %,
der Öffentliche Verkehr um 2 % und der Anteil der PKW-Mitfahrer um
1 % angehoben werden.
Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen wird die sanfte
Mobilität weiter forciert. Vorarlberg ist mit 15 %
Radverkehrsanteil unumstrittener Spitzenreiter in Österreich.
Trotzdem soll auf Grundlage der mittlerweile durch den VCÖ
ausgezeichneten Vorarlberger Radverkehrsstrategie der
Radverkehrsanteil in enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden um
nochmals 20 % gesteigert werden Mehr als zwei Drittel aller
PKW-Wege in Vorarlberg sind kürzer als zehn Kilometer, immer noch
43 % sogar kürzer als fünf Kilometer. Das ist ein beachtliches
Potential für den Radverkehr, der eine kostengünstige, gesunde und
umweltfreundliche Alternative zum Auto darstellt.
Neben dem Individualverkehr kommt der Qualitätssicherung des
Bahn- und Busangebotes große Bedeutung zu – sowohl durch den
weiteren Ausbau des Fahrplanangebots als auch durch die Fortsetzung
der Bahnhofsoffensive. So sollen in einem nächsten Schritt die
Bahnhöfe Lauterach, Hohenems, Rankweil und Götzis erneuert werden.
Parallel dazu wird in den nächsten Jahren die
Eisenbahninfrastruktur auf dem Streckenabschnitt Bregenz – St.
Margrethen ausgebaut. Unsere Ambition ist es, die Spitzenposition
Vorarlbergs im öffentlichen Personennahverkehr nicht nur zu
verteidigen, sondern weiter auszubauen.
Die Prozesse „Feldkirch-Süd“, „Rheintal Mitte“ sowie „Mobil
im Rheintal“, finden ihre Fortsetzung. Wir sind überzeugt, auf
diesem Weg die notwendigen Entscheidungen über die Gestaltung der
zukünftigen Infrastruktur im Verkehrsbereich so treffen zu können,
dass sie den Bedürfnissen der Bevölkerung und der Wirtschaft
unseres Landes entsprechen.
Unseren wertvollen Lebensraum und unser Wasser erhalten
Die Gestaltung der Entwicklung des Landes soll so sein, dass
wir unseren Kindern und Enkeln in die Augen schauen können. Das
bedeutet, die Natur und damit unsere Grenzen zu respektieren.
Natur- und Umweltpolitik mit Wirtschaftspolitik so zu verbinden,
damit Tourismus und Wirtschaft sich weiterentwickeln können, ohne
dass dabei die Grenzen von Natur und Umwelt verletzt werden, ist
eine Aufgabe auch für die nächsten Jahre.
Der Naturschutzrat als bundesweit einmaliges strategisches
Beratungsorgan der Landesregierung in Fragen der nachhaltigen
Entwicklung hat nach einem umfassenden Monitoring in einem
umfangreichen Bericht über die Entwicklung von Natur und Landschaft
den Verantwortlichen im Land ein gutes Zeugnis ausgestellt.
Besonderen Wert legt der Naturschutzrat in der Beratung auf eine
nachhaltige Entwicklung der einzelnen Regionen des Landes sowie auf
den Klimaschutz. Deshalb wurden mit dem Naturschutzrat für die
kommenden Jahre konkrete Schwerpunkte auf Landesebene vereinbart,
wie die Erhebung der Landschaftsmodule in Vorarlberg, die
Evaluierung der Entwicklung von Natur und Landschaft sowie die
Umsetzung von Natura 2000 in den Schutzgebieten.
Um die natürliche Schönheit Vorarlbergs, die viel zur hohen
Lebensqualität beiträgt, zu bewahren, ist eine sorgfältige Pflege
der sensiblen Lebensräume und Fließgewässer notwendig. Durch die
Umsetzung des 30+1-Maßnahmen-Programmes, der Vernetzung der
Naturjuwele und durch eine konsequente Abfallpolitik wird ein
wesentlicher Beitrag für eine saubere Umwelt und die Erhaltung der
Naturvielfalt geleistet. Vorarlberg legt im Naturschutz und
Gewässerschutz auch im internationalen Vergleich strenge Maßstäbe
an und setzt bei der Umsetzung auf partnerschaftliche
Zusammenarbeit aller Beteiligten des Landes, der Gemeinden und
privater Interessenten.
Die Wasserwirtschaft bleibt in Vorarlberger Hand und sichert
damit langfristig unsere Trinkwasserreserven. Deshalb: Kein Verkauf
unserer Wasservorräte. Die Bevölkerung wollen wir dabei weiterhin
vor den Gefahren des Wassers schützen – vor Hochwasser und Lawinen.
Schwerpunkte sind die Förderung von Projekten der Wildbach- und
Lawinenverbauung sowie des Schutz- und Siedlungswasserbaues ua im
Bereich der Ill und des Rheintalbinnenkanals Hohenems sowie der
Bregenzerach und die Hochwassersicherheit des Rheins.
Effizienz, Elektromobilität und erneuerbare Energie als
Schlüssel zur Energieautonomie
In Fragen der Energiewirtschaft setzen wir noch stärker als
bisher auf Eigenständigkeit. Im Energiekonzept und in der
Initiative „Energiezukunft Vorarlberg“ ist es erklärtes Ziel, bis
zum Jahr 2050 die Energieautonomie zu erreichen. Das heißt, eine
nachhaltige, in der Jahresbilanz ausgeglichene und vollständig auf
erneuerbare Quellen gegründete Energieversorgung. Klimaschutz und
eine sichere Energieversorgung sind dabei kein Widerspruch.
Um zukünftig Energieautonomie zu erreichen, sind auch neue
Lösungen im Bereich Mobilität notwendig. Das bedeutet eine Stärkung
des Öffentlichen Verkehrs ebenso wie die Unterstützung neuer,
vernetzter Angebote – etwa die Ausweitung der VLOTTE, des viel
beachteten Pilotprojektes von illwerke vkw zur Elektromobilität.
Durch die hohe Effizienz der Elektromotoren ist der zusätzliche
Stromverbrauch selbst bei einer breiteren Anwendung dieser
Technologie bewältigbar. Wir gehen von einem Mehrverbrauch von etwa
500 Gigawattstunden aus. Diese Menge kann durch den konsequenten
Ausbau der Wasserkraft im Land gedeckt werden.
Eigenständig, leistbar, sicher, erneuerbar lauten also die
Stichworte zur Energiezukunft Vorarlberg. Dazu gilt es, die
Potentiale an erneuerbaren Energieträgern mit voller Kraft
auszuschöpfen – immer unter dem Vorbehalt der ökologischen
Verträglichkeit und der wirtschaftlichen Machbarkeit.
Energieautonomie, abgestützt auf die vorhandenen Ressourcen
Wasserkraft, Biomasse, Biogas, Sonnenenergie und Umgebungswärme,
ist unser Beitrag zum Klimaschutz und gleichzeitig eine große
Zukunftschance für unser Land.
Die Energieautonomie bewahrt unsere Eigenständigkeit und
bietet neue Arbeitsplätze sowie regionale Wertschöpfung.
Energieautonomie heißt aber nicht, die Grenzen dicht zu machen.
Unsere Pumpspeicherkraftwerke erfüllen eine wichtige Aufgabe im
europäischen Verbundnetz und wir bekennen uns auch in Zukunft nicht
nur zum Ausbau der Wasserkraft für die Sicherung der
Landesversorgung, sondern auch zur Erzeugung von wertvoller
Spitzen- und Regelenergie.
Derzeit gibt es in Vorarlbergs Wäldern noch rund 20 %
nachhaltig nutzbare Reserven für energetische Nutzung.
Forstbetriebsgemeinschaften, Bringungsgemeinschaften und der
Vorarlberger Waldverband werden sich gemeinsam mit dem Land für
eine verstärkte Holznutzung einsetzen, mit dem Ziel, die
Verfügbarkeit von Holz auf dem Heimmarkt anzukurbeln.
Mit dem e5-Programm für energieeffiziente Gemeinden wollen
wir gemeinsam mit den Gemeinden neue Impulse setzen. Einen
besonderen Akzent setzt dabei das Große Walsertal, wo im Rahmen
eines Forschungsprojektes gemeinsam mit dem Energieinstitut
Vorarlberg analysiert werden wird, inwieweit es aus eigener Kraft
energieautonom werden kann.
Hinschauen und helfen
In jeder Gesellschaft gibt es Menschen, die Betreuung und
Hilfe brauchen: Kinder, Pflegebedürftige, Kranke, Menschen mit
Behinderung, Menschen, die von Katastrophen betroffen sind. Bei uns
soll niemand, der Hilfe braucht, im Stich gelassen werden.
Gesundheit
Medizinische Versorgung auf hohem Niveau soll unabhängig von
Einkommen und Vermögen ohne unzumutbare Wartezeiten angeboten
werden. Wir sind leidenschaftliche Gegner einer Zweiklassenmedizin.
Alle Straffungen der Spitalsstruktur dienen diesem Ziel: Wer Hilfe
braucht, soll erstklassige medizinische Hilfe bekommen. Der
medizinische Fortschritt muss für alle da sein, unabhängig von
Alter, Geschlecht und eigenen finanziellen Möglichkeiten.
Ziel ist es, allen Patienten auch in Zukunft in guter
Qualität wohnortnahe Behandlungen anzubieten: In modernen Spitälern
und durch ein dichtes Netz an niedergelassenen Ärzten.
Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben und Sterben in Würde.
Deshalb bieten wir auch die Möglichkeiten der Palliativmedizin,
unterstützen den Hospizgedanken und lehnen die aktive Sterbehilfe
entschieden ab.
Unsere Krankenhäuser bieten eine hochwertige Versorgung.
Medizinische Qualität und Patientensicherheit werden laufend
verbessert und an den einzelnen Standorten werden
Versorgungsschwerpunkte gebildet. Vorarlberg ist seit vielen Jahren
zudem Vorreiter in Sachen Vorsorge. Auch im Bereich
Gesundheitsförderung wollen wir zB bei Ernährung oder Bewegung
weitere Schwerpunkte setzen.
In den kommenden Jahren investieren wir große Summen in die
Vorarlberger Spitalslandschaft, zB die Generalsanierungen der
Landeskrankenhäuser Hohenems und Bludenz. Diese
Investitionsentscheidungen sind ein starkes Bekenntnis zur
Sicherung unserer Spitalsstandorte. Ebenso wird zur langfristigen
Weiterentwicklung des Landeskrankenhauses Feldkirch die
Masterplanung weitergeführt.
Die weitere Umsetzung vernetzter Projekte im Gesundheitswesen
– zB ein Patienten-Entlassungsmanagement, das Patienten den
Übergang vom Akutkrankenhaus in die häusliche Pflege erleichtert –
ist uns besonders wichtig. Dazu zählt auch die mobile
Kinderkrankenpflege, bei der speziell ausgebildete
Krankenschwestern chronisch kranke Kinder zu Haus betreuen und
mobile Palliativ-Teams, die pflegende Angehörige, Ärzte und
Hauskrankenpflege in der Betreuung schwerkranker Patienten
unterstützen.
Konkrete Schwerpunkte setzen wir in der Verbesserung der
Schlaganfallversorgung. Mit dem neuen
Schlaganfall-Netzwerk-Vorarlberg werden weitere Optimierungen der
Patientenversorgung ermöglicht. Ebenso wird die Anzahl der
Dialyseplätze bis 2015 stufenweise um 21 Plätze erweitert und ein
Diabetes-Programm flächendeckend eingeführt, die Behandlungsplätze
in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ausgebaut sowie eine
Entzugsstation für Drogenkranke errichtet. Der
Landesgesundheitsbericht wird aktualisiert sowie aufgrund einer
zunehmend älteren Bevölkerung mit einer höheren Lebenserwartung das
Geriatrie-Konzept überarbeitet.
Gänzlich abgelehnt werden von uns jegliche Bestrebungen zur
Zentralisierung des Krankenanstaltenrechts. Im Rahmen der
österreichweiten Diskussion um eine Gesundheitsreform stellen wir
uns als Modellregion zur Verfügung. Dabei kann die Finanzierung aus
einer Hand (Ländertopf) erprobt werden.
Betreuung und Pflege
Durch die Unterstützung von pflegenden Angehörigen und der
ambulanten Dienste ist es möglich, dass rund 80% der pflege- und
betreuungsbedürftigen Menschen zu Hause in ihrer vertrauten
Umgebung betreut und gepflegt werden können. Dies entspricht dem
Wunsch der meisten Menschen in unserem Land.
Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, Hauskrankenpflege,
mobile Hilfsdienste, der Betreuungspool, der bis zu
24-Stundenbetreuung anbietet, die Betreuungshilfen für
zeitintensive Übergangsbetreuung, die Förderung der
24-Stundenbetreuung, „Essen auf Rädern“ und Besuchsdienste
ermöglichen eine Pflege und Betreuung zu Hause. Zudem bieten
Tagesbetreuung, Kurzzeitpflege (Übergangs- oder „Urlaub von der
Pflege“) Unterstützung und Entlastung für pflegende Angehörige an.
Als zusätzliche Unterstützung wird das Land daher ab 1.1.2010
für die Pflegestufen 5-7 bei überwiegend häuslicher Betreuung durch
Angehörige einen neuen, zusätzlichen Pflegezuschuss von 100 € pro
Monat einführen. Wir wollen mit diesem, übrigens in Österreich
einzigartigen, Vorarlberger Pflegezuschuss ganz bewusst ein Zeichen
setzen und die gesamtösterreichische Diskussion zur Sicherung und
Unterstützung pflegebedürftiger Menschen in Schwung bringen.
Ein besonders Augenmerk wird auf die Qualitätsentwicklung im
stationären Pflege- und Betreuungsbereich gelegt. Dazu wurde ein
6-Punkte-Programm entwickelt, das sowohl Handlungsrichtlinien als
auch den Bedarf und die Aus- und Weiterbildung des Pflege- und
Betreuungspersonals definiert. Das neue aus der Schweiz kommende
Arbeitsinstrument „BESA“ erleichtert es, Pflege- und
Betreuungsleistungen noch besser für die Bedürfnisse und Ressourcen
der Bewohnerinnen und Bewohner in Heimen zu definieren und zu
vereinbaren. Derzeit wird es in allen Heimen eingeführt. Das Land
Vorarlberg ist bemüht, gemeinsam mit den Gemeinden, stationäre und
teilstationäre Angebote dem Bedarf entsprechend, laufend
weiterzuentwickeln, was die geplanten Pflegeheimneubauten in
Ludesch, Egg, Feldkirch, Rankweil und Nenzing und auch der Ausbau
des betreuten Wohnens bestätigen.
Parallel dazu werden die ambulanten und teilstationären
Dienste weiter ausgebaut und qualitativ weiter entwickelt. Ziel ist
die noch bessere Beratung und Betreuung der Angehörigen und
Zusammenarbeit aller Dienste über eine kompetente Ansprechperson
(als „case und care Manager“) in jeder Gemeinde.
Durch Behindertenhilfe Chancen eröffnen
Menschen haben unterschiedliche Anlagen und Fähigkeiten. Den
Wert einer Gesellschaft kann man daran erkennen, wie sie mit denen
umgeht, deren Chancen aus unterschiedlichen Gründen beeinträchtigt
sind. Gerade diesen Menschen beizustehen, zeugt von Wertschätzung
und Achtung. Das Land Vorarlberg bekennt sich in der
Landesverfassung zur Verpflichtung der Gesellschaft, Menschen mit
Behinderung zu unterstützen und die Gleichwertigkeit der
Lebensbedingungen zu gewährleisten. Wir wollen Menschen mit
Behinderung ein möglichst selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Hilfe
für Menschen mit Behinderung heißt für uns, Chancen eröffnen.
Das Landeszentrum für Kinder mit körperlichen Behinderungen
in Mäder bekommt eine neue Zukunft. Der Neubau kann mit
finanzieller Hilfe im Umfang von 5,7 Millionen Euro von Land und
Sozialfonds realisiert werden. Die wichtigsten Eckpunkte des
Projekts: Zehn Klassen mit Therapie- und Nebenräumen, moderne
Schul- und Therapiebedingungen für ca. 60 Kinder mit körperlicher
(Schwerst-)Behinderung, multifunktionaler Speise- und
Veranstaltungssaal, Therapiebad zur speziellen Betreuung.
Den weiteren Ausbau von Assistenzangeboten zur Teilhabe am
Arbeitsleben und für ein eigenständiges Leben streben wir an,
ebenso den Ausbau der therapeutischen Leistungen für Kinder mit
Behinderung in den Bereichen Physiotherapie, Ergotherapie und
Logopädie.
Sicherheit braucht regionale Strukturen
Die Pflege regionaler Sicherheitsstrukturen ist zur
Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit notwendig. Unsere
ausgezeichnet ausgebildete Sicherheitsexekutive beweist dies durch
eine hohe Aufklärungsquote und große Akzeptanz in der Bevölkerung.
Unsere Blaulichtorganisationen sind 365 Tage 24 Stunden rund um die
Uhr bereit für den Einsatz.
Hierzu leistet auch das heuer mit dem Innenministerium
abgeschlossene Sicherheitspaket einen wichtigen Beitrag: So erhält
unser Land bis 2011 60 zusätzliche Polizistinnen und Polizisten.
Im Bereich Sicherheit ist es wichtig, früh genug Vorsorge zu
treffen, einerseits durch gut ausgebildete Sicherheitskräfte,
andererseits durch die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur
für alle Hilfs- und Rettungsorganisationen wie dies österreichweit
beispielhaft mit der neuen gemeinsamen Alarm- und Notrufzentrale,
RFL am Standort des Katastrophenzentrums in Feldkirch realisiert
wurde.
Es ist ein Anliegen, die Vernetzung und Koordination der
Hilfs- und Rettungsorganisationen weiter zu fördern und
gleichzeitig dafür zu sorgen, dass Aufgaben wie die Flugrettung
oder die Notarztversorgung von den Partnerorganisationen in guter
Qualität erbracht werden können.
Weitere zentrale Aufgabe bleibt ein konsequentes Vorgehen
gegen illegale Migration und die intensive Bekämpfung von
Menschenhandel, Schlepperkriminalität und Einbruchskriminalität.
Eine raschere Abwicklung der Asylverfahren ist unbedingt notwendig.
Ebenfalls muss klar sein, dass Asylwerber, welche kriminell werden
und somit das Gastrecht missbrauchen, abgeschoben werden. Ein
konsequentes Handeln ist nicht nur zum Schutz der heimischen
Bevölkerung, sondern auch im Interesse der hier lebenden
Zuwanderer, die sich an Rechte und Gesetze halten, notwendig.
Integration erfordert Anpassungsleistung
Respekt vor Verfassung, Verfassungswerten und
österreichischen Gesetzen und das frühe Lernen der deutschen
Sprache sind Voraussetzungen für Integration. Das erfordert auch
eine Anpassungsleistung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
Klare Vorgaben für die Integration sind für das Gelingen des
Prozesses wichtig. Die faire Chance für denjenigen, der
integrationswillig ist, aber ebenso.
Da Integration eine Querschnittsmaterie ist, hat der
zuständige Landesrat die Aufgabe der Führung des
Integrationsreferates sowie der Koordination aller Referate im Amt
der Landesregierung.
Bildung öffnet die Türe zur Chancengleichheit. Der wichtigste
Schlüssel dazu ist die deutsche Sprache. Die Sprachförderung durch
Familie, Kindergarten und Schule muss mit Vereinbarungen
verbindlich gemacht werden.
Die Bildung eines Integrationsausschusses des Landtages und
die Fortsetzung des Prozesses für das Integrationsleitbild in
Zusammenarbeit aller Fraktionen soll eine breite Willensbildung
möglich machen.
Spielräume durch gleichwertige Lebensverhältnisse
Wir verfolgen das Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse in
Stadt und Land. Das setzt voraus, dass die Landwirtschaft
wesentliche Grundlagen schaffen kann, dass der Tourismus auch in
entlegenen Berggebieten wirtschaftliche Existenzen und Arbeit
möglich macht und die dörflichen Strukturen gefördert werden. Gute
Verkehrswege, Schulen, medizinische Versorgung oder
Freizeiteinrichtungen gehören ebenso dazu wie die
Lebensmittelnahversorgung.
Arbeitsplatz Bauernhof lebensfähig erhalten
Bäuerliche Familienbetriebe sichern Lebensgrundlagen, pflegen
unsere Kulturlandschaft und produzieren hochwertige Lebensmittel.
Im bäuerlichen Bildungszentrum Hohenems als wichtige
Bildungsdrehscheibe für den ländlichen Raum wird dabei der
bäuerlichen Jugend das notwendige Rüstzeug vermittelt. Durch das
Projekt „Tierleben“ und die Initiative „Offener Bauernhof“ sollen
durch konkrete Maßnahmen der Bevölkerung und vor allem den Kindern
und Jugendlichen die Kreisläufe und die Zusammenhänge zwischen
Landwirtschaft und Naturschutz sowie artgerechter Tierhaltung näher
gebracht werden.
Eine wettbewerbs- und zukunftsfähige Land- und
Forstwirtschaft sowie gleichwertige Lebensbedingungen im ländlichen
Raum und die Stärkung des Arbeitsplatzes Bauernhof sind und bleiben
wichtige Ziele des Landes. Der Vorarlberger Bevölkerung ist es
wichtig, dass die Erhaltung einer bodengebundenen, viehhaltenden
Landwirtschaft aufrecht erhalten wird. Die artgerechte Tierhaltung
und frische, gesunde sowie gentechnikfreie und klar gekennzeichnete
Lebensmittel sind die zentralen Anforderungen, die an die
Bauernhöfe und Verarbeitungsbetriebe von den Konsumenten gestellt
werden. Die Kooperationsprojekte Landwirtschaft und Tourismus in
den Regionen sowie Urlaub am Bauernhof und die Belieferung des
Heimmarktes mit regionalen Ländle-Lebensmitteln sind wichtige
Initiativen für die Zukunft. Im Rahmen der Evaluierung der
Vorarlberger Landwirtschaft sollen nach dem Bereich der Jagd bis
Ende des Jahres Ergebnisse umfangreicher Erhebungen als Grundlage
für die künftigen Schwerpunkte der Landwirtschaftsförderung als
auch der Ausrichtung der Agrarpolitik vorliegen. Darüberhinaus sind
im Bereich des Landesfischereizentrums Hard Neuerungen bei der
Fischzucht und Öffentlichkeitsarbeit vorgesehen.
Durch die Umsetzung der Forststrategie 2018 soll die
Wertschöpfung durch den Wirtschaftsfaktor Wald erhöht werden. Durch
die anerkannte nachhaltige Waldbewirtschaftung werden die
Schutzwälder im Interesse der Sicherheit für unsere Bergtäler
stabilisiert und ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz
geleistet.
Chancengleichheit für Frau und Mann
Gleichstellung von Frauen und Männern ist ein zentrales
Anliegen der Landesregierung und eine Querschnittsmaterie in der
Landesverwaltung. Der Vorarlberger Gleichstellungskatalog, der in
30 Punkten die maßgeblichen Gleichstellungskriterien formuliert,
dient dabei als Grundlage zur Weiterentwicklung und Umsetzung
konkreter Maßnahmen gemeinsam mit den Sozialpartnern und relevanten
Institutionen im Land.
Ein wichtiges Thema ist dabei die Verringerung der
Einkommensunterschiede. Besonderes Augenmerk wird dabei darauf
gesetzt, jungen Mädchen bestmögliche Bildungschancen sowie die
Motivation zu vermitteln, sich verstärkt auch in männlich
dominierten Berufen zu engagieren (zB durch den Girlsday, durch das
Interreg-Projekt „Mach es gleich“, durch die Koordinationsstelle
für geschlechtssensible Berufsorientierung).
Zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie
erfolgt ein kontinuierlicher bedarfsgerechter Ausbau der
Unterstützungen in der Kinder- und Altenbetreuung. Durch das
Fraueninformationszentrum Femail mit dem neu geschaffenen
Fachbereich Frauengesundheit einerseits und der Weiterentwicklung
des Frauennetzwerkes Vorarlberg anderseits, sollen Frauen noch
besser informiert und beraten werden.
Kreative Ideen für die Kultur
Wir schaffen Raum für die Entfaltung kreativer Ideen, stellen
das Künstlerische in den Mittelpunkt und setzen gute
Rahmenbedingungen für Kunst und Kultur. Dabei ist für traditionelle
Heimatkunst und Zeitgenössisches ebenso Platz wie für die
Denkmalpflege und moderne Architektur.
Dazu zählt die Unterstützung von internationalen Aktivitäten,
von regional etablierten Kulturträgern sowie von Projekten im
ländlichen Raum (zB Bregenzer Festspiele, Schubertiade, Kunsthaus
Bregenz, Feldkirch Festival, Landestheater, Symphonieorchester,
Montafoner Kultursommer, Philosophicum Lech) genauso, wie die
Unterstützung der zahlreichen Vereine für Blasmusik, Chor, Trachten
oder Amateurtheater.
Die Vorarlberger Landesregierung hat im Sommer 2008 die
Neupositionierung des Landeskonservatoriums beschlossen. Dadurch
wird für besonders talentierte Musiker ein neues Modul eingeführt
sowie ein neuer Bachelor-Abschluss geschaffen.
Ein Schwerpunktbereich bildet die Entwicklung des neuen
Vorarlberger Landesmuseums mit einer Investitionssumme von 33
Millionen Euro. Damit schaffen wir ein modernes und lebendiges
Museum, das zur Identität unseres Landes beiträgt und gleichzeitig
einen grenzüberschreitenden Bezug herstellt.
Sport
Vorarlberg legt mit der Initiative „Vorarlberg bewegt“ und
dem Sportkonzept 2009-2015 die Basis für eine besondere Bewegungs-
und Sportkultur. Die festgelegten Maßnahmenfelder sind Grundlage
für eine nachhaltige Weiterentwicklung des Sports in Vorarlberg.
Wir setzen damit neue Maßstäbe und verbinden Ehrenamt und
hauptamtliche Unterstützung ausgewogen miteinander.
Verlässlicher Partner für die Gemeinden – Bürgerräte schaffen
Beteiligung
Die Gemeinden in unserem Land haben gewachsene Strukturen,
sind nah bei den Menschen und deren Anliegen. Die Dichte an
Gemeindezusammenarbeit ist in den vergangenen Jahren beachtlich
gewachsen. Vision Rheintal, Regionalplanung Walgau oder
Raumentwicklung Montafon sind Beispiele.
Zukunft braucht Beteiligung, denn die zahlreichen Menschen,
die sich engagieren und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen,
machen unsere Gemeinden und unser Land erst lebenswert. Bürgerinnen
und Bürger sollen deshalb künftig in aktuelle Fragestellungen noch
aktiver miteinbezogen werden. Zu diesem Zweck werden zahlreiche
Beteiligungsprojekte auf Basis von „Bürger-Räten“ initiiert (zB in
einzelnen Gemeinden, im Rahmen von Energiezukunft Vorarlberg, aber
auch zur aktiven Beteiligung von jungen Menschen). Im Rahmen eines
eigenen Forschungsprojektes sollen Möglichkeiten und Grenzen der
Bevölkerungsbeteiligung ausgelotet werden. Ergänzend dazu werden
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde- und Landesverwaltung
in der richtigen Anwendung von Beteiligungsverfahren geschult.
Wir halten die Förderungen für die Gemeinden trotz
finanziellem Engpass auf hohem Niveau und bleiben ein verlässlicher
Partner der Gemeinden.
Europa der Regionen
Die Europäische Union eröffnet kleinen Ländern und Regionen
vielfältige Möglichkeiten und Chancen. Es macht Sinn, wichtige
Themen auf europäischer Ebene abzustimmen und zu entscheiden. Viele
der aktuellen Herausforderungen können nur gemeinsam gemeistert
werden, so in der Finanz- oder Umweltpolitik, in der nachhaltigen
Entwicklung, in der Migrationspolitik.
Auch bei der Krisenbekämpfung hat die EU positive Beiträge
zum Wiederaufschwung geleistet. Wir brauchen eine Europäische
Union, die in einer globalisierten Welt politisch und
wirtschaftlich Einfluss nehmen kann. Es braucht aber auch
Spielräume für Regionen und Verfahren, um diese Spielräume
abzusichern. Der EU-Vertrag von Lissabon wird hier neue
Möglichkeiten bieten, die es zu nutzen gilt.
Vorarlberg pflegt seit vielen Jahren eine gute Zusammenarbeit
mit seinen Nachbarn. Diese wollen wir fortsetzen. In der
Internationalen Bodenseekonferenz, der Regierungskommission
Alpenrhein und in der Arbeitsgemeinschaft Alpenländer wollen wir
weiterhin ein guter Partner sein.
Staats- und Verwaltungsreform
Die Entwicklung unseres Landes ist positiv, in manchen
Bereichen sogar außergewöhnlich. Wir sind zwar nicht frei von
Schwierigkeiten und Risiken, aber es gibt große Chancen. Letztlich
geht es um die Frage: Wo und wie kann ein Land, eine Region in
einer großräumig organisierten Wirtschaft und Gesellschaft
intelligent und entschlossen Spielräume wahrnehmen und Chancen
nützen. Bei der jahrelangen Diskussion um die Staats- und
Verwaltungsreform geht es auch um diese Frage.
Wir werden an einer Staats- und Verwaltungsreform engagiert
mitwirken. Ziel dieser Reform muss die Konzentration der
staatlichen Leistungen auf Notwendiges und Wesentliches bei
Aufrechterhaltung guter Qualität, des Zugangs für jeden und
vernünftiger Rücksicht auf die Bevölkerung in ländlichen Gebieten
sein.
In diesem Rahmen ist die Effizienz zu erhöhen,
Doppelgleisigkeiten sind abzuschaffen, Unnotwendiges zu entfernen,
Strukturen anzupassen.
Das Land ist bereit, gerade in Bereichen, in denen ein
partnerschaftliches, kooperatives Vorgehen dringend geboten ist
(wie zB im Gesundheitswesen, im Bildungsbereich), als Modellregion
eine Vorreiterrolle einzunehmen. Auch die Abschaffung von
Sonderbehörden des Bundes (wie zB Vermessungsamt, Sozialamt,
Denkmalamt oder Wildbach- und Lawinenverbauung) und Übertragung in
das Amt der Landesregierung ist ein Vorschlag, der rasch umsetzbar
wäre. Im Übrigen könnte ein Amt der Bundesregierung beim Bund rasch
erste Einsparmöglichkeiten bieten.
Finanzielles Gleichgewicht anstreben
Die Eigenständigkeit gilt vor allem für die Wahrung der
finanziellen Handlungsmöglichkeit. Wir müssen uns in den kommenden
Jahren sehr anstrengen, die finanzielle Ordnung zu erhalten und
doch die notwendigen Schwerpunkte zu setzen. Wer über Geld verfügt,
kann handeln. Wer zu viel Schulden hat, wird abhängig. Wir werden
konsequent dafür arbeiten, dass die Ausgaben und Einnahmen im
Gleichgewicht bleiben und dass Vorarlberg bleibt, was es ist: Eine
gut entwickelte Region mit hoher sozialer Verantwortung,
eigenständig, offen, finanziell gesund und damit zur Gestaltung
fähig.
Verlässlicher Partner für alle
Wir werden uns auch in den nächsten Jahren um sachliche
Diskussion bemühen. Parteienstreit ist nicht unser Geschäft. Wir
wollen arbeiten, hören zu und ringen um die besten Ideen für die
Weiterentwicklung des Landes. Unsere Zukunft liegt nicht in
Strategien der Spaltung und des Gegeneinander, sondern im
Miteinander in Wirtschaft und Gesellschaft. Ich lade Sie dazu ein,
uns auf diesem Weg der Vernunft und des Hausverstandes zu
begleiten.